Schwarze Krähe (Hermes Gottfenster 2)
Ich seh eure Farben
doch kann sie nicht malen
denn ihr gebt sie nicht her
euer Leben als Linie so grade gezeichnet
in Tage gemeiselt
von denen ihr immer nur sagt es wäre der Alltag
und davon wollt ihr noch mehr?
Und darin liegt euer Meer?
Ihr badet fröhlich in Teer
Ich seh eure Wärme
doch kann sie nicht spüren
denn ihr seid mir zu kühl
ein Gefrierschrank so einfach den Körper umfassend
die Finger sind eisig, obwohl ich es immer probiere
so fest an uns glaube, als hätte es uns schon gegeben
und wäre so einfach die Zeit abzustreifen
es bleiben die weißen Stellen, die leisen Rufe der Kleider zurück
zu viel Sonne gibt nur Sonnenbrand,davon wird euch nicht warm
ich lasse meine Creme zuhause, verbrannte Haut kann ich spüren
so real
der Vogel hat Krebs und wir keine Kinder
wo bleibt der Schrank der keine Schrauben braucht?
Ikea fehlt Innovation und ihr sagt ich wäre zu früh
nur weil etwas in mir noch glüht
ich seh eure Augen
doch kann sie nicht glauben
denn sie wirken so tot
das Sammeln von Geld als Beschäftigung neben der Arbeit
und ein bißchen Zeit für die Kinder,
ja das wird schon reichen für ein gutes Leben
und ihr meint, dass Gott euch lobt?
Und ihr seid wirklich so froh?
Die Träne färbt sich tief rot
ich seh eure Freiheit
doch kann sie nicht halten
denn sie ist für mich falsch
begeben uns selber in Muster,
um bloß nicht darüber nachdenken zu müssen
was richtig und falsch ist für dich und dein Leben
wenn alle es machen, dann wird es schon stimmen
wir brauchen die Schranken, wie Fische das Wasser
sonst könnt es nicht funktionieren
warum können wir es denn nicht endlich schmecken,
betasten und probieren?
Hört auf vernünftig zu sein,
das widert mich an
es kommt immer wieder neues
aus Chaos entstehen die größten Ideen
vielleicht,
dein Leben,
deine Zeit, meine Zeit
ich weiß unseren Tod
doch kann ihn nicht sehen
denn er ist noch so fern
ich fliege auf den gebrochenen Flügeln
deiner schwarzen Krähe,
mein Mädchen
gib mir nur noch einen Tag von diesem Leben
und ich werde beten,
obwohl ich niemals an Gott glauben konnte
gib mir nur noch einen Zug von dieser Freiheit
und ich werde bleiben,
wo auch immer ich sein sollte
gib mir nur noch einen Kuss von deiner Stärke
und ich werde merken,
dass ich alles so sehr wollte
gib mir nur noch einen Flug durch klare Scherben
und ich werde sterben,
so ruhig, so stolz,
ohne Folter