Kein Meer mehr

geschrieben von epilog am 19. Dezember 2009 um 20:25 abgelegt unter

Kein Meer mehr

Schwarz
tiefes Schwarz legt sich in deinen Hals
alles ist ein letztes Geräusch der surrenden Maschinen
ein letzter Seufzer
und ich bleib noch einen Moment liegen
grabe meinen Hinterkopf in den Sand
und nehme deine ganze Kraft mit
irgendwohin
es fühlt sich so weich an
es fühlt sich so weit an
weit ab weit mehr
weit seh ich auf das Meer hinaus
ein Blick über tausend Herzen und Seelen in Sehnsuchtssalzen badend,
für eine Sekunde des Atmens, am Meer
für eine Sekunde des Atmens, am Meer

Tausend
Tränen Tausend seh ich ragen aus dem Bauch des Meeres
nackte Körper voll Blut und Tränen der stählernen Langeweile
Perspektivteufel tanzen sie zu Grunde
sie stehen auf im Meer und kommen immer näher
ich liebe ihren Atem,
die Kraft der geballten Resignationswut
Pupillen wie Taschenlampen im Dunkel zu schreiendem Leben
sie stehen auf im Meer und beginnen zu leben
werden zu Wasser
das Salz des Meeres sind ihre Tränen
die Wellen die Vielfalt des Aufbruchs, den sie treiben
niemals endende, hypnotische Hektik der Ruhe im Aufruhr
und ich gehe einen Schritt hin zu ihnen,
ein Schritt zum Meer
und lass dich dort liegen
du kaust noch ein bisschen auf dem Sand in den letzten Momenten vor dem Ersticken,
kein Husten, kein Zucken,
so leise, so leise

und ich stehe hier am Meer während der Sturm aufzieht
der Wind reist an meinen Haaren mit kratzigen Fingernägeln
die Gischt spuckt mir Tränen auf die Lippen, lässt mich neue Sehnsucht schmecken.
Und ich stampfe meine nackten Füße mit der ganzen Kraft
die noch vorhanden ist in den erkalteten, nassen Sand vor mir
ich seh die Hand von dir, so tot
ich breite meine Arme aus und versuche in dem Sturm zu fliegen,
so dunkel, so dunkel, wie es noch niemals zuvor war
es gibt die absolute Dunkelheit in diesem Sturm und keine Zeit danach
es gibt kein danach,
so stark reist er mich auf,
der Himmel schreit mich an,
reißt an mir,
nagt an mir,
und ich schwebe, ich fliege, ich fühle wieder

im dunklem Auge des Sturmes
aus eurem Meer

es gibt kein Meer mehr

Lass mir doch bitte nur diesen Moment bevor ich vergesse,
bevor ich vergesse, dass alles ein Traum ist, ich wieder aufwache
und sehe, dass es nur wir zwei sind,
so tot am Strand ohne Meer


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