Grauer Stein (Hermes Gottfenster 2)
es sind Fotos auf denen ich dir so nah bin
es sind Bilder die mich soweit weg zeichnen
ich reife an Erfahrungen mit jedem Schritt den ich gehe
und mit jedem Schritt den ich gehe, will ich am besten gleich drei zurück
einfach Glück haben ist nicht so einfach wie es sich anhört
und die einfachen Entscheidungen scheinen nicht immer die Weisen
gleichzeitig bleiben sie die Leichten
und leicht schwebt es sich so gut
schwebt sich so gut
doch der Stein in mir zieht mich stets auf den Boden der Tatsachen zurück
ich zeichne mit blauer Farbe die von meinen Fingern tropft mein Gesicht an die Wand
und sehe wie es sogleich zerläuft
ich sehe deine Augen und merke wie weit du schon weg bist
hinter der Stirn meines zerlaufenen Abdrucks öffnet sich langsam ein Loch in der Wand
kein ordinäres,hässliches
kein Loch im normalen Sinne von Loch
es ist eher eine Tür
ich trete hindurch und sehe einen großen Mund
er ruft laut- jetzt
und die Erschütterung geht durch meinen ganzen Körper
ein kleines Erdbeben nur für mich
ich schließe die Augen und sehe wie graues,altes,verwelktes Gestein bröckelt
langsam auf meinen Kopf aufschlägt
langsam meinen Kopf zerschlägt
mit meiner Hand fahre ich über meinen Schädel, an der Oberseite fehlt die Struktur
es fühlt gut an, es fühlt sich so gut an
tiefer greife ich hinein
tiefer fühle ich nichts
tiefer taste ich tatenlos
tiefer fühle ich nichts
dort wo sonst das Gehirn sitzt finde ich nicht einmal Überreste
nur ein handgroßen Stein,weich wie samt
mit offenen Mund betrachte ich ihn
mit offenen Augen betrachte ich deinen wunderschönen Körper
und deinen treuen Blick ins leere
meine Fingerspitzen spüren dein Atmen
mein Verstand spürt die Verstümmlung
kleines ich weiß nicht wo links und rechts ist
sieht so niedlich aus in knapper Unterwäsche
meine kleine Welt dreht sich um sich selbst
ein Karussell ohne Achse
kleines kleines Glück zerschlagende ich zeichne meine Bilder selbst
fühlt sich so gut an,Haut an Haut
kleines wie kann mein Leben nur aus kleinem Glück bestehen wenn die Welt so groß ist
löffelt mein Gehirn aus dem Kopf und verfüttert es den Hunden meines Gewissens
ich trete auf der stelle Löcher in den Boden
Ich tauche meinen Finger in einen Eimer voll blauer Farbe
ich verstaue die Zeit hinter verstaubten Jazzplatten meines Vaters
ich raube mir selbst den Verstand zermartert durch Fragen
ich will nicht mehr klagen will nicht mehr schlafen
und wenn ich diesen grauen Stein mit meinen Fingerspitzen bewege
dann weiß ich, dass ich lächle für dich
und wenn ich diesen grauen Stein mit meinen Fingerspitzen bewege
dann weiß ich, dass ich lächle für dich
ganz sicher, so funktionieren meine Synapsen
ich muss es doch wissen
