Reviews
Epilog – Hermes Gottfenster 2
Vor etwas mehr als einem Jahr mit dem prĂ€chtigen Son Kas-Album und verschiedenen Gratisdownload-Geschichten wie zum Beispiel âHysterie um historische Hitsâ mit ausschliesslich âfremdenâ Produktionen aufgefallen, legt Epilog nun wieder einen komplett in Eigenregie geschriebenen und umgesetzten TontrĂ€ger vor. âHermes Gottfenster 2â bietet wiederum verwildert wirkende Klangkollagen, von dunkel bis strahlend, sowie krĂ€ftige Drumsets, die eher selten gewohnten AblĂ€ufen gleichkommen. Beats also, die allein bereits das Album reizvoll machen und als Kompositionen mit speziellen Arrangements schon mal schöne Eigenschaften mit sich bringen.Dazu gibt es verwobene, phantasiereiche
Texte, wobei dem Hörer nicht immer voll und ganz dargelegt wird,was er sich nun darunter vorstellen.
Der vage Gegenstand gehört offensichtlich zur Idee, und es wird mehr als einmal ĂŒberlassen, was in die EinfĂ€lle interpretiert wird. Der Reim wird nicht primĂ€r gesucht, und die Zeilenenden treffen sich nur ab und zu an identischen Stellen der Musik; bilderreiche Sprache und ausschweifende ErzĂ€hlungen haben PrioritĂ€t. Energiegeladene Zeilen wechseln sich mit dezent gesungenen bis geschrienen Parts ab, passend zu der musikalischen Vielseitigkeit des Gesamtwerks. Einzelne Tracks nun als Anspieltipps hervorzuheben, ist schwierig, am besten fĂŒhrt man sich das Album in einem StĂŒck zu GemĂŒte, denn so funktioniert es wie von Epilog angestrebt am besten. Als Hintergrundmusik mit der Familie nicht unbedingt geeignet, es verlangt Aufmerksamkeit, die jedoch zweifellos belohnt wird. www.deadmagazine.de
son kas – Requiem for a Vorgarten
Son Kas, auf gut schweizerdeutsch ” Sonen Seich”, das sind der Rapper Epilog, der Beatmensch Aza und DJ Phonatic. Die drei machen schon eine Weile zusammen Musik, vereint sie ja auch ihr gemeinsamer Wohnort WĂŒrzburg in Deutschland. Gemeinsam ist ihnen auch die Liebe zu guter Musik, was einen von Ihnen, den Epilog, sogar dazu bewog in die Schweiz zu ziehen und sich hier via ughh.ch-forum in die Szene einzuschleusen. Mit Erfolg, haben wir nun doch schon einige gute Konzerte mit ihm gefeiert und wie man sieht hat auch das “Son Kas” Album seinen Weg zu mir gefunden und wird diesen hoffentlich noch zu weiteren Menschen gehen. So, genug gelabert, nun zum Album selbst.
Schon im Intro merkt man dass Son Kas gute Unterhaltung sein wird, Abwechslungsreichtum und Experimentierfreudigkeit scheinen gross geschrieben zu werden. Epilog scheint auch zu den Menschen zu gehören, denen monotoner Reime-Rap zu langweilig ist, und so hört man ihn nicht nur rappen sondern zwischendurch auch singen. Oder so Ă€hnlich. Auch wenn sich mehr oder weniger all seine Texte in irgendwelche Reimschemas einordnen lassen, vor allem die etwas Ă€lteren, so sind es doch eher Inhalt und Wortspiele die sie auszeichnen. Kaum auf der Welt, scheint sich Epilog schon mit all den Problemen des Lebens auseinanderzusetzen, und dass es deren einen Haufen gibt ist ja allgemein bekannt. Zusammen mit Audio88 wird im dritten Lied ĂŒber die Funktion des Menschen philosophiert, um dann im nĂ€chsten schön sarkastisch festzustellen das mit Sicherheit alles gut wird und jeder seinen Platz finden wird der sich dem Schicksal beugt. Nach “Licht und Wurzel” mit einem wilden Beat von Aza folgt ein ziemlich ruhiges StĂŒck, in welchem Epilog ĂŒber das VerhĂ€ltnis vom Herrn zum Knecht spricht. Die Mitte des Albums besetzt ein sehr schönes Instrumental, von denen man sich definitiv mehr wĂŒnschen könnte. Aza’s Beats auf diesem Album gefallen mir wirklich sehr sehr gut, und so wie der Titel von Lied Nummer Elf vermuten lĂ€sst, “untitled 85″, ein weiteres Instrumental, scheint es davon eine Menge zu geben. Gegen Ende des Albums scheinen die etwas neueren Tracks aus 2007 zu folgen wie es mir scheint, denn “Die Witze unserer Ahnen” ist ein wirklich ausgereifter Track, in allen Bereichen. Dass Phonatic sich nicht nur hinter den Turntables, sondern auch am Mikrofon wohlfĂŒhlt, zeigt er uns in “Augenblick”. Der Letzte Track scheint beinahe endlos, er endet dann aber schliesslich doch noch nach knapp acht Minuten “beautiful li(f)e” doch.
Auch wenn das Album stellenweise ein wenig anstrengend ist, lĂ€sst es sich dennoch gut in einem StĂŒck anhören, nicht zuletzt dank der Beats, die es mir besonders angetan haben. Von den Jungs wird man bestimmt auch noch in Zukunft mehr hören, in welcher Zusammenstellung das auch immer sein mag.
Dreh den Noise auf, hau die Effekte auf die Stimme und pitch die Drumsamples runter: Epilog und Azabeats sind und machen Son Kas. Ihr Album heiĂt âRequiem for a Vorgarten” und ist eine Lieder-Sammlung aus den Jahren 2005 bis 2007. Azabeats Instrumentale sind dĂŒstere, beklemmende, hypnotische, sphĂ€rische, einnehmende, cLOUDDEAD’sche Soundgebilde. Sie verstören, treiben und sind angenehm noisig. Das Rauschen und Kratzen unterstreicht die melancholische bis depressive Stimmung und lĂ€sst die Drums noch mehr scheppern. Epilog bewegt sich zwischen Rap und Spoken Word, thematisiert das postpubertĂ€re Allerlei von Sozial- und Gesellschaftskritik, Abwehr von Disziplinierungs-maĂnahmen,IdentitĂ€tsverweigerung und -suche, angereichert mit dem GefĂŒhl des Hasses, der Verzweiflung und UnverstĂ€ndnis ob der Situation der Welt respektive der Menschheit. Die stĂ€rksten Momente des Albums passieren zweifelsohne wenn Epilog das Rap-Schema ignoriert, in Singsang verfĂ€llt oder sich mehrere Vokalspuren ĂŒberlagern wie im Intro, wo die Assoziation und der Sinn den Mehrfachreim dominiert. Diesen beherrscht er zwar, jedoch gerade bei dem gewaltigem Klangrahmen,der von Aza vorgelegt wird, ist jedes Stilmittel abseits des typischen Raps sicher das bessere. Sowohl âFunktion” mit Audio88, als auch und vor allem âAugenblick”, mit einer Strophe von Phonatic / Cocon, sind die besten Beispiele dafĂŒr. Manchen Tracks hört man ihr Alter an, jedoch gerade die Neueren verweisen auf ein Potential, dass dieses schon sehr gute Album noch weit ĂŒberragen könnte.
P.S. www.deadmagazine.de
“Son Kas” sind Epilog, der spricht und rappt und seine texte schreibt und Azabeats, der die Beats oder eher noch instrumentals macht. Die beiden kommen aus WĂŒrzburg und kennen sich wohl auch daher. So kommts wohl auch, dass der musikalisch nahe Phonatic auf ihrem Album “Requiem for a vorgarten” scratcht, der ebenfalls aus WĂŒrzburg ist, frĂŒher auch selbst rappte und mittlerweile vor allem auflegt und kratzt.
Das hier vorliegende Album ist nach eigener Aussage eine Ansammlung von 16 der Lieder, die zwischen 2005 und 2007 entstanden. Die Drums krachen auf die Ohren des zuhörenden ein, die samples und loops stapeln sich, wĂ€hrend die Worte von Epilog eher ruhig und besonnen bleiben. Dass er auch brachialer kann, zeigt er zb auf “Licht und Wurzel”, was mein bisheriger Favorit ist. Manchmal gĂ€nzlich ohne Reime und gewollt poetisch vorgetragen, manchmal dann doch reimend, beweist Epilog auf jeden fall, dass er sich mit sowas wie metaphern, reimen und auch flows und betonungen auskennt und die wohl typische rap-sozialisation verlief.
Inhaltlich lese ich zwischen den melancolischen Zeilen hauptsÀchlich herrschaftskritisches, auch was das zwischen-menschliche auf privater ebene angeht, heraus. Die Stimmung der instrumentals ist gut auf die vocals abgestimmt und so ist diese Platte allen zu empfehlen, die gerne mal hinhören, wenn jemand was erzÀhlen will und sich dabei nicht daran stören, dass rap-typische reime hier und da mal fehlen, weil sie lieber dem inhalt platz machen wollen. Ein obligatorisch passendes audio 88 feature gibts auch noch. mehr als nur irgend so n kÀse auf jeden fall!
review (c) by www.independentrap.de
